Praktisches Vorgehen

Abb. 1.: Manuelle Arbeit mit dem myofaszialen Gewebe des Brustraums

Abb. 1.: Manuelle Arbeit mit dem myofaszialen Gewebe des Brustraums

Normalerweise besteht die Behandlung aus einer Basisserie von zehn Sitzungen, die – in meist wöchentlichen Abständen – systematisch aufeinander aufbauen. Jede Sitzung dauert etwa anderthalb Stunden. Nach einer Verarbeitungsphase von in der Regel sechs Monaten können bei Bedarf zusätzliche Sitzungen genommen werden. Für Kinder sind die Sitzungen kürzer und die Abstände häufig größer. Am Anfang steht ein ausführliches Einführungsgespräch, in dem die Bedürfnisse des Patienten abgeklärt werden. Behandler und Patient besprechen Fragen zur möglichen Krankengeschichte und zur Lebenssituation; ein erster persönlicher Kontakt entsteht.

Abb.2. : Funktionelle Arbeit an der kongruenten Achsenbewegung von Fuß-, Knie- und Hüftgelenken.

Abb.2. : Funktionelle Arbeit an der kongruenten Achsenbewegung von Fuß-, Knie- und Hüftgelenken.

Die Behandlung findet auf verschiedenen Ebenen statt:

  1. Manuelle und spezifische Beeinflussung des myofaszialen Gewebes durch Dehnung verkürzter Strukturen, Lösung von Verhärtungen und Verklebungen, Stimulierung hypotoner Gewebsabschnitte und bestimmter Nervenrezeptoren (siehe Abb.1). Die angewandten myofaszialen Techniken (Faszientherapie) werden ergänzt von kraniosakralen Techniken und der Bauchbehandlung nach Dr.Alber-Klein).
  2. Einbeziehung von Atemarbeit nach Ilse Middendorf, bei der über die bewusste Atmungserfahrung die Eigenwahrnehmung erweitert und die Selbstheilungskräfte gestärkt werden.
  3. Bei der Behandlung werden manchmal frühere Traumata (Unfall, Gewalt o.ä.) buchstäblich berührt. Hier sind differenziert abgestimmte Interventionen manueller und verbaler Art nötig, um eine Stressauflösung im vegetativen Nervensystem zu erreichen. Dies gilt auch für Stressformen chronischer Überlastung (in Beruf, familiären Konflikten usw.).
  4. Schulung der sensorischen Bewusstheit und das Ermöglichen gezielter und freier Bewegungserfahrungen. (siehe links, Abb.2) Hier werden neben Rolf Movement Elemente der Feldenkrais-Methode angewandt sowie Mikrobewegungen des Organismus impulsiert (Surfing Inner Oceans, nach Dr.Alber-Klein).
  5. Hilfestellungen vielfältiger Art beim Transfer neuer Haltungs- und Bewegungsmöglichkeiten in den Alltag. Ein Beispiel: „Chronische Beschwerden sind nicht selten eine Begleiterscheinung regelmäßigen Sports. Ein Radsportler beispielsweise zieht sich im Laufe der Zeit oft chronische Schmerzen im unteren Rücken zu. Die Behandlung und das Erarbeiten einer günstigeren Haltung beim Fahren können ihm helfen, dass nicht nur seine Schmerzen verschwinden, sondern sich außerdem seine Leistung verbessert.“ (aus: H.G. Brecklinghaus, Rolfing – Strukturelle Integration, Lebenshaus Verlag)

Erfahrungsgemäß sind die Resultate der Behandlung überwiegend dauerhaft. Dies beruht auf der verbesserten Statik des Körpers. Außerdem fördern effektivere Bewegungsmuster die verbesserte Struktur und umgekehrt. Ferner veranlassen die veränderten Haltungs- und Bewegungsmuster noch Monate nach dem Abschluss der Behandlung die Faszien, ihr dreidimensionales Netz weiter umzubauen. Und nicht zuletzt tragen ein besseres Körperbewusstsein sowie seelische und vegetative Veränderungen zur Nachhaltigkeit der Behandlung bei.

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